Sicherung der Qualität von Patienteninformationen
im Internet
vom 30. August 2003
Autor: sb
Durch Information zur „intelligenten“ Nutzung
des Gesundheitssystems
Der Artikel bezieht sich
auf ein Kapitel der Diplomarbeit "Grundlagen
eines Patienteninformationssystems."
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Qualitativ hochwertige Informationen sollen einen Beitrag
zur Verbesserung der Eigenkompetenz und Selbstbestimmung
des Patienten im Gesundheitswesen leisten. Die Idee dabei
ist, dass sachbezogene Information den Patienten dazu befähigt
das Gesundheitssystem „intelligenter“ zu nutzen
und bei Entscheidungen über Prioritäten und Kapazitäten
mitzuwirken.
Neben dem behandelnden Arzt als wichtigste Informationsquelle
finden sich für Patienten wichtige Informationen auch
im Internet. Die Basis für autonomes Handeln von Patienten
soll dabei ein qualitativ hochwertiges, umfassendes, für
Laien verständliches und leicht verfügbares Informationsangebot
darstellen. Die Güte der Patienteninformationen im Internet
ist jedoch sehr unterschiedlich. Neben formalen Mängeln,
wie fehlenden Angaben über Autorenschaft und Aktualität,
treten Probleme hinsichtlich Neutralität, Auffindbarkeit,
Lesbarkeit, Verständlichkeit, Bedienerfreundlichkeit
und Informationstiefe auf (2c).
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Qualität von Patienteninformationen aus Nutzersicht
Ein allgemein anerkannter Standard zur Qualitätssicherung
von Patienteninformationen besteht aktuell nicht. Im Folgenden
soll daher aufgezeigt werden, welche Methoden zurzeit national
und international existieren.
Qualitätskontrolle von Patienteninformationen
Die Grundlage der verschiedenen Ansätze bildet ein
Katalog (3), der die Anforderungen an die formale und inhaltliche
Ausgestaltung der bereitgestellten Informationen enthält
(2).
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Selbstkontrolle
Ein Ansatz der Qualitätssicherung besteht darin, gesundheitsbezogene
Inhalte durch Selbstverpflichtung der Informationsanbieter
zu verbessern. Dazu wurden Ethik-Codes oder Leitlinien von
verschiedenen Initiativen (siehe Tabelle 3) entwickelt. Die
Betreiber von Internet-Präsenzen verpflichten sich hierbei
zur Einhaltung der jeweiligen Regelungen.
Die Anforderungen an medizinische Informationen werden dabei
in allgemeine und leicht verständliche Prinzipien zusammengefasst.
Ein bekanntes Beispiel ist die “Health on the Net Foundation
- HON” aus der Schweiz. Nach ihr sollten “gute” Websites
beispielsweise folgende Merkmale aufweisen:
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Tabelle 1:
HON-Code
- Qualitätskriterien
für
Webinhalte
- Fachlichkeit der Autoren
- Unterstützung
der Arzt-Patienten-Beziehung
- vertraulicher
Umgang mit Daten
- Quellenangaben
- Ausgewogenheit
der Informationen
- Klarheit
- Rückfragemöglichkeiten
- Ausweisung
der Abhängigkeiten und eigenen Ziele oder
Interessen
- klare Ausweisung von Werbung
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Erfüllt eine Internet-Präsenz diese Anforderungen,
kann sie nach Prüfung durch die HON ein Gütesiegel
offiziell als Auszeichnung auf
ihrer Web-Seite präsentieren.
Die Selbstverpflichtung der Informationsanbieter ist als
vertrauensbildende Maßnahme zu verstehen. Es bleibt
jedoch offen, inwieweit sie tatsächlich zu einer besseren
Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet beitragen
kann.
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Externe Kontrolle
Initiativen zur externen Bewertung und Kontrolle von Webinhalten
(siehe Tabelle 3) stellen eine sinnvolle Ergänzung zu
den dargestellten Bemühungen dar. In diesen Ansätzen
bewerten und kontrollieren unabhängige Institutionen
die Qualität von Informationen.
Das Ergebnis ihres Urteils wird in Form von Angaben, welche
die Qualität beschreiben festgehalten und jedem Nutzer
als abrufbare Zusatzinformation bereitgestellt. Diese Verfahren
basieren auf einer Spezifikation, welche die Beschreibung
von Webinhalten erlaubt. Die Grundidee besteht darin, dass
durch ein einheitliches Vokabular inhaltliche Merkmale von
Internetpräsenzen beschrieben werden können. Durch
Zusatzfunktionen in dem Programm, das es dem Patienten erlaubt
Internetseiten zu lesen (Internet Explorer®, Netscape
Navigator®, etc.) oder durch andere spezielle Programme,
besteht die Möglichkeit nur Informationen zu bestimmten
Themen oder für bestimmte Nutzergruppen anzuzeigen.
Darauf aufbauend lassen sich auch gesundheitsbezogene Informationen
beschreiben bzw. bewerten.
Die Menge an verfügbaren Gesundheitsinformationen im
Netz macht es einer einzelnen Institution unmöglich
alle Angebote bewerten zu können. Ein weiteres Problem
stellt die Vergleichbarkeit verschiedener Bewertungsansätze
dar. Zu klären ist weiterhin, welche Institutionen sich
federführend mit der Entwicklung von Gütesiegeln
beschäftigen sollten und wie ausgeprägt die staatliche
Kontrolle in diesem Bereich sein müsste. In einigen
Ländern befassen sich übergeordnete staatlich geförderte
Einrichtungen mit der Qualitätssicherung von Patienteninformationen
(siehe Tabelle 3).
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Steigerung der Nutzerkompetenz
Die genannten Verfahren sollen dazu beitragen Nutzern den
Zugriff auf Gesundheitsinformationen von gesicherter Qualität
zu ermöglichen. Dieses kann eigene Werturteile letztlich
jedoch nicht ersetzen. Hierzu ist es erforderlich, notwendige
Fähigkeiten zur kritischen Bewertung von Internet-Inhalten
zu vermitteln.
Mit diesem Ziel haben sich eine Reihe verschiedener Initiativen beschäftigt.
Der medizinische Laie kann anhand von Checklisten die Anforderungen an medizinische
Informationen prüfen und bewerten.
Ein Beispiel einer solchen Checkliste ist das aus Großbritannien
stammende „Discern-Handbuch“, welches unter Verantwortung
der Medizinischen Hochschule Hannover auch in deutscher Sprache
zur Verfügung steht. Anhand von 16 Kriterien soll der
Patient in die Lage versetzt werden die Qualität einer
Website selbst einzuschätzen. Die Anwendung der erlernten
Fähigkeiten bleibt dem Nutzer letztlich selbst überlassen.
Eine Internet-Präsenz, die Patienten informiert, sollte
nach dem „Discern-Projekt“ beispielsweise folgende
Kriterien erfüllen:
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Tabelle 2:
Discern-Instrument
- zur kritischen Bewertung von Gesundheitsinformationen
- Ausweisung und Erreichung selbst gesetzter Ziele
- Zielgruppenrelevanz
- Aktualität
- Ausgewogenheit
- Ausweisung
ergänzender Hilfsangebote
- Beschreibung
von Wirkungsweise, Nutzen und Risiken einer
Behandlung
- Ausweisung
von Behandlungsalternativen
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Ein weiterer Schulungsansatz besteht in der interaktiven
Vermittlung von kritischen Bewertungsfähigkeiten über
das Internet. Ein solches Beispiel findet sich in der Internet-Präsenz „QUality
Information ChecKlist (QUICK)“ (siehe Tabelle 3). Über
eine sehr verständliche Sprache sollen „acht Möglichkeiten
zur Prüfung der Qualität einer Web-Seite“ vermittelt
werden. Die verwendeten Qualitätskriterien sind dabei
denen der bereits erwähnten „Health on the Net
Foundation“ sehr ähnlich, der Vermittlungsweg
ist jedoch spielerischer.
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Fazit
Momentan gibt es zahlreiche Initiativen zur Qualitätsentwicklung
von Patienteninformationen, ein objektivierender Vergleich
dieser zum Teil sehr unterschiedlichen Ansätze fehlt
bislang. Die verschiedenen Ansätze, die den Patienten
zu kritischem Umgang mit Informationen befähigen wollen,
können zu einer selektiven Nutzung von Informationen
durch den Patienten beitragen und einen Teil der Informationsasymmetrie
aufheben. Konkrete positive Effekte hinsichtlich Angstabbau,
Verhaltensänderungen oder Präferenzen für
bestimmte Therapieverfahren beim Patienten sind bislang jedoch
nicht nachgewiesen (1).
Den Schwerpunkt bei der Information von Patienten auf die „Neuen
Medien“ zu legen, scheint problematisch. Eine Bevorzugung
dieser Kanäle kann dazu führen, dass im Namen der
Abstellung eines Defizits vor allem die oberen und gebildeten
Sozialschichten besser gestellt werden. Damit kann die auch
in reichen Ländern sozial bedingte Ungleichheit von
Gesundheitschancen noch weiter vergrößert werden
(4). Untersuchungen aus den USA zeigen, dass gerade sozial
und gesundheitlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen
geringeren Zugang zu Internet-Informationen haben (5).
Entsprechend müssen Strukturen geschaffen werden, die
niedrigschwellig jedem den Zugang zu Informationen, Beratung
und Unterstützung bieten und das Internet nur als untergeordnete
zusätzliche Informationsquelle nutzen. Solche Ansätze
finden sich beispielsweise in der Berliner Selbsthilfekontaktstelle „SEKIS“ (www.sekis-berlin.de)
oder dem Patientenberatungsprojekt „Patienteninformationsnetz
Berlin (PIN) (www.patienteninfo-berlin.de) des Gesundheit
Berlin e.V.. Im Vordergrund ihrer Patienten beratenden Tätigkeit
stehen der persönliche Kontakt und die direkte Schulung.
Als zusätzliches Angebot bieten sie gesundheitsrelevante
Informationen auch über das Internet an.
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Tabelle 3: Übersicht
der Ansätze zur
Sicherung der Qualität von
Patienteninformationen
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Ansätze der Qualitätssicherung
von Patienteninformationen im Internet
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Externe
Kontrolle
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Collaboration for Internet Rating,
Certification, Labeling and Evaluation of Health
Information
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www.medcircle.org
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Literaturangaben
- Diercks et al. (2001): Patientensouveränität.
- Die
nachfolgenden Ansätze sind bereits beschrieben
in:
- Baehring/Scherbaum/von Danwitz (2001): Reform
des Gesundheitswesens.
- Dierks/Lerch/Schwarz (2001):
Patientenrechte in der Diskussion
- Güntert/Hebenstreit
(2001): Qualitätsaspekte
der Online-Gesundheitskommunikation.
- Eine
Tabelle mit den von den verschiedenen Initiativen
verwendeten Kriterien findet
sich in: Bockholt/Heil
(2002): Grundlagen eines Patienteninformationssystems.
S. 74ff.
- Rosenbrock (2001): Verbraucher, Versicherte und
Patienten als handelnde Subjekte.
- Rohde (2000): European
Commission Presentation.
Anfragen + detaillierte Literaturangaben unter: Stephan-Bockholt@gmx.net
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