Grundlagen eines Patienteninformationssystems
Entwicklung eines patientenorientierten Wissensmanagementkonzepts
und dessen technische Umsetzung, unter Berücksichtigung
der Selbsthilfe als Ebene der Patientenunterstützung.

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Ort und Studiengang
Studiengang Pflege/Pflegemanagement
Evangelische Fachhochschule Berlin
Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Vorgelegt von
Stephan Bockholt
Andreas Heil
Gutachter
Prof. Michael Holewa
und Prof. Dr. Hildebrand Ptak
Hinweise
Die Diplomarbeit wurde von uns im Sommersemester 2002 erstellt. Wir haben uns
dazu entschieden, das Dokument allen Interessierten kostenlos zur Verfügung
zu stellen. Wir möchten jedoch trotzdem gerne erfahren, wieviele Leser
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Einleitung
Die zunehmende Marktorientierung im Gesundheitswesen geht mit der Zuweisung
neuer Rollen der Interaktionspartner in diesem Bereich einher. Eine Hoffnung
für den Patienten als Kunde, Partner oder Entscheidungsträger liegt
in der Stärkung seiner Position. Ohne genaue Kenntnis darüber wie
und warum sich der anscheinend bisher nicht souveräne Patient von dem
zukünftig souveränen Patienten unterscheiden soll, lassen sich
keine erfolgskontrollierten Angaben über den angemessenen Weg dorthin
machen. So kann eines der Ziele darin liegen, als Nachfrager nach und Verbraucher
von Versorgungsleistungen in die Lage versetzt zu werden, sich in der Undurchsichtigkeit
des Gesundheitssystems zurechtzufinden und sich für oder gegen eine
Versorgungsleistung zu entscheiden. Eine Voraussetzung für die Übernahme
dieser Rolle besteht in der Steigerung der Eigenkompetenz und Selbstbestimmung
durch mehr Information, die zu einer erhöhten Transparenz der Leistungsqualität
im Gesundheitssystem führen soll. Wachsende Information soll den Patienten
dazu befähigen, das Gesundheitssystem intelligenter zu nutzen. Dadurch
soll die Nachfrage nach medizinischen Leistungen reduziert werden. Damit
diese Wirkung eintreten kann, bedarf es dem Abbau der im Gesundheitssystem
bestehenden Informationsasymmetrie.
Dies hat auch die Verbraucherschutzministerin Renate Künast
erkannt, indem sie klare Regeln für die aktive Information
der Öffentlichkeit durch einen gesetzlichen Anspruch
auf Auskunft über Produkte und Dienstleistungen zu setzen
beabsichtigte. Solche Forderungen gegen den Widerstand der
Politik und Wirtschaft durchzusetzen, erweist sich als äußerst
schwierig. Damit der Patient bei der Nachfrageentscheidung
nicht auf sich selbst gestellt ist, müssen als weitere
Ziele der Patientensouveränität ein bestehender
Patientenschutz und ausgeweitete Partizipationsmöglichkeiten
zu identifizieren sein. In Zukunft gilt es Instanzen zu entwickeln,
die dem Patienten helfen seine Position zu stärken und
einen Beitrag zur besseren Markttransparenz leisten. Diese
Instanzen müssen eine Reihe von Kriterien erfüllen,
damit sie ihren Aufgaben gerecht werden.
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Bei Überlegungen, welche Instanzen ausgebaut oder gestärkt
werden müssen, wird die Selbsthilfe als eine Ebene genannt.
Diese Instanz ist von besonderer Bedeutung für den Bereich
chronischer und lebensbedrohlicher Erkrankungen. Da ein bedarfsgerechter
und wirtschaftlicher Umgang mit diesen Erkrankungen eine
zentrale Herausforderung für die Gesundheitspolitik
der nächsten Jahrzehnte darstellt, steht die Selbsthilfe
mit ihrer in diesem Bereich herausragenden Erfahrungskompetenz
im Mittelpunkt dieser Arbeit. Die Krankheitsbewältigung
und die Qualität der Versorgung chronisch Kranker hängen
in entscheidendem Maße davon ab, wie es gelingt, den
Patienten und seine Angehörigen als selbstverantwortliche,
informierte und kompetente Nutzer von Gesundheitsleistungen
und als Koproduzenten ihrer Gesundheit in das Behandlungsgeschehen
einzubeziehen . Die Patienten aber sind oft weder unterrichtet,
noch erhalten sie konkrete Unterstützung. Daher wenden
sich Patienten zunehmend an die Selbsthilfe, um Informationen
und Beratung zu erhalten. Die Selbsthilfe als Unterstützungssystem
leistet einen erheblichen Beitrag für die gesundheitliche
Versorgung der Bevölkerung und schließt Lücken
professioneller Angebote. Zur Zeit leistet sie die Informationstätigkeit
im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Oft ist sie dabei auf
ein spezielles Thema beschränkt. Eine Vielzahl von Hindernissen
führt dazu, dass Patienten ihr Selbsthilfeengagement
nicht realisieren. Mit der Förderung von Selbsthilfe
lässt sich jedoch das in der Gesellschaft bestehende
Potenzial zu eigenem verantwortlichen Handeln besser erschließen
und weiterentwickeln.
Diese Arbeit leistet einen Beitrag zur Erschließung
verantwortlichen Handelns durch den Abbau der bestehenden
Informationsasymmetrie im Berliner sozial- und gesundheitsbezogenen
Versorgungssystem. Sie stellt die Informations- und Beratungsleistungen
der Selbsthilfe, der Selbsthilfekontaktstellen und anderer
Instanzen der Patientenunterstützung in den Mittelpunkt
der Entwicklung eines Patienteninformationssystems. Dieses
System soll sich eignen Informationen über genannte
Instanzen zu erlangen, zu sammeln, auszuwerten, darzustellen
und über verschiedene Medien weiterzureichen. Eine Institution,
die sich seit einigen Jahren mit einer solchen Aufgabe beschäftigt,
ist die Berliner Selbsthilfekontaktstelle SEKIS. Für
sie wird ein ganzheitlicher Wissensmanagementansatz entwickelt,
welcher Unterstützung bei der systematischen Problemlösung
hinsichtlich der Entwicklung eines Berliner Patienteninformationssystems
leistet.
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Anfangs benennt die Arbeit Eckpfeiler der gesundheitspolitischen
Bürgerorientierungsdebatte und zeigt einige Ziele auf,
die mit den neuen Rollenzuweisungen für den Patienten
verfolgt werden. Anschließend verharrt sie bei den
Instrumenten „Information und Transparenz“, die
als Voraussetzung der Beteiligung von Patienten am Leistungsgeschehen
diskutiert werden und beleuchtet einige Bereiche und Schwierigkeiten,
die damit verbunden sind. Allgemein wird die mangelnde Qualität
von Patienteninformationen beklagt. Hier werden verschiedene
Ansätze der Qualitätskontrolle und sicherung aufgezeigt.
Es wird festgestellt, dass die Entwicklung von Patienteninformationssystemen
hierzulande erst beginnt und auf einige Initiativen in diesem
Bereich verwiesen. Die Autoren ziehen die Schlußfolgerung,
dass es durchaus problematisch erscheint schwerpunktmäßig über
die „Neuen Medien“ Patienteninformationen anzubieten.
Hier liegt der Kern der Entscheidung ein zentrales Instrument
zu entwickeln, das sich eignet Informationen über verschiedenste
Medien, sei es im direkten Gesprächskontakt oder als
Printmedium bis hin zur Darstellung im Internet, weiterzugeben.
Darüber hinaus soll das Informationssystem unterschiedlichsten
Nutzergruppen gerecht werden. Vom Patienten- oder Verbraucherberater,
der im persönlichen oder telefonischen Gespräch
Informationen weiterreicht bis hin zum im Internet nach gesundheitsbezogenen
Informationen suchenden Patienten.
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Anschließend werden Institutionen aufgezeigt, die
eine unabhängige Information und Beratung des Patienten
leisten. Die Selbsthilfe kommt aufgrund ihrer Betroffenenkompetenz
besonders im Bereich chronischer Erkrankungen als eine Ebene
in Betracht. Eine Beschreibung ihrer besonderen Leistungen
und ihrer momentanen Möglichkeiten im Gesundheitssystem
geht über in die Schilderung eines Instruments der infrastrukturellen
Selbsthilfeförderung mittels Selbsthilfekontaktstellen.
Die Arbeit ist in drei Kapitel aufgeteilt. Das Zentrum des
ersten Kapitels liegt in der Beschreibung einer ganzheitlichen
Wissensmanagement-Konzeption für die Selbsthilfe Kontakt-
und Informationsstelle (SEKIS). Dazu werden der Zusammenhang
wesentlicher Begrifflichkeiten erläutert und die starke
Verbindung zwischen Qualitäts- und Wissensmanagement
herausgestellt. Den Schluss des ersten Kapitels bildet die
Verbindung der Dimensionen und Elemente des Wissensmanagements
mit beispielhaft aufgezeigten Aspekten des bei SEKIS vorhandenen
Wissens.
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Das zweite Kapitel befasst sich mit der Operationalisierung
der im ersten Kapitel beschriebenen Elemente des für
SEKIS bedeutsamen Wissensmanagements. Es beinhaltet Methoden
der Generierung von Inhalten eines Patienteninformationssystems.
Dieser Prozess lässt sich in einem Phasenmodell der
Wissensakquisition darstellen. Zudem werden die Qualitätsdimensionen
Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität berücksichtigt
und dienen als Basis für die spätere Kategorisierung
der Inhalte des Informationssystems.
Im dritten Kapitel werden die Ergebnisse des zweiten Kapitels
in einer Software-Lösung (im weiteren Verlauf als PatInfSys
bezeichnet) umgesetzt. Zunächst werden die einflussnehmenden
Rahmenbedingungen beschrieben und der Prozess der Software-Auswahl
problematisiert. Im Anschluss daran erfolgt eine Beschreibung
der Datenbasis, wobei der Schwerpunkt auf der methodischen
Vorgehensweise liegt. Als zweite Komponente wird auf die
Benutzeroberfläche eingegangen und deren Gestaltungsrichtlinien
erörtert.
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